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Diskussionsabend vom 23.10.2020 im Rahmen des Queer Festivals Heidelberg

20. November 2020

Auch heute noch gehen die meisten Menschen in unserer Gesellschaft davon aus, dass Personen cis-geschlechtlich (nicht transsexuell oder transgender) und heterosexuell sind, wenn sie sich nicht explizit anders dazu äußern. Das äußere Outing stellt daher viele lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, trans*gender, intersexuelle und queere (kurz: lsbttiq) Menschen immer wieder vor Herausforderungen. Gerade in Bezug auf das Arbeitsleben berichten Menschen verstärkt von Angst vor dem Outing. Doch wie verlaufen tatsächliche Outings im Beruf und wie ist der Arbeitsalltag als geoutete lsbttiq Person? Diesen Fragen gingen das Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg und das Queer Festival Heidelberg im Rahmen dieser Podiumsdiskussion nach, mit dem Ziel gemeinsam aus positiven und negativen Erfahrungen zu lernen. Nach einer Begrüßung durch Bürgermeister Wolfgang Erichson diskutierten: – Anastasia Biefang (Kommandeurin des Informationstechnikbataillons 381 der deutschen Bundeswehr) – Tessa Ganserer (Mitglied des Bayerischen Landtags) – Olcay Miyanyedi (Religionswissenschaftler) – Simona Maier (Winzerin) Durch den Abend führten Marius Emmerich (LGBTTIQ Koordinator, Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg) und Danijel Cubelic (Leiter des Amts für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg).

Hürden beim Outing
Das Arbeitsleben bringt Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen zusammen. Auf der Arbeit tritt man aus dem privaten Umfeld heraus und verbringt viel Zeit mit Menschen, deren Identität und persönliche Einstellungen zunächst unbekannt sind. Solche Situationen bedeuten für lsbttiq Menschen, sich stets erneut die Frage stellen zu müssen, welche Konsequenzen ein Outing haben könnte. Diskriminierungen aufgrund der eigenen geschlechtlichen oder sexuellen Identität können von Abweisungen bei der Arbeitssuche, über die Blockierung von Aufstiegschancen bis hin zur Kündigung reichen. Allein die Möglichkeit ausgegrenzt oder gemobbt zu werden, führt oft dazu, dass Menschen in Arbeit und Beruf nicht offen mit ihrer Identität umgehen, ungeoutet bleiben und damit einhergehend zusätzliches Leid, Druck und Stress durch das Versteckspiel erfahren. Gleichzeitig gibt es auch immer häufiger positive Berichte von Menschen, die geoutet am Arbeitsplatz sind und dadurch effektiver und stressfreier im Arbeitsalltag stehen. Nur ein Drittel der LSBTTIQ Menschen im Beruf geoutet Trotz der allgemein höheren Akzeptanz von lsbttiq Menschen legen nur 37 Prozent der deutschen lsbttiq Angestellten gegenüber Arbeitskolleg*innen ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität offen. Das belegt das internationale „Out@Work Barometer“ 2018-19 der Boston Consulting Group. Unter den untersuchten Ländern, wie beispielsweise Brasilien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko, Niederlande, Spanien oder den USA, bildet Deutschland ein Schlusslicht beim Coming-Out am Arbeitsplatz. Ähnliches ergab eine Onlinebefragung des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren 2014 zur Lebenssituation von LSBTTIQ-Menschen in Baden-Württemberg. Insgesamt 28 % der erwerbstätigen Umfrage-Teilnehmenden gaben an, in den fünf Jahren zuvor aufgrund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität negative Erfahrungen am Arbeits- oder Ausbildungsplatz gemacht zu haben. Diskriminierungen reichten von gelegentlichem Gerede über Ausgrenzung bis zu körperlicher Gewalt.