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Kulturhaus Karlstorbahnhof Heidelberg

Willkommen im Kulturhaus Karlstorbahnhof

Der Plan geht auf

Ein Gespräch mit Konstantin Gropper über seine Verbindung zum Karlstorbahnhof, das neue Album von Get Well Soon und die Vorfreude auf das Eröffnungskonzert

20. Oktober 2022

Bild: Der Plan geht auf

Mit seiner Band Get Well Soon hat Konstantin Gropper die Indie-Gemeinde in Mitteleuropa seit über zehn Jahren mit jedem Album aufs Neue überrascht, getröstet und glücklich gemacht. Live entwickelt die großzügig instrumentierte Truppe des Wahl-Mannheimers eine außerordentliche Wucht, wie man sie sonst nur noch selten bei Indie-Konzerten findet. Über seine Beziehung zum Karlstorbahnhof, sein neues Album „Amen“ und die Vorfreude auf die Eröffnung hat unser Mitarbeiter Tobias Breier mit Konstantin Gropper gesprochen.

Tobias Breier: Bevor deine musikalische Karriere Fahrt aufnahm, hast du ein paar Semester in Heidelberg studiert. Kannst du dich noch an deine ersten Abende im alten Karlstorbahnhof erinnern?

Konstantin Gropper: Ja, natürlich! Die waren in vielerlei Hinsicht prägend. Als Besucher, weil ich als Provinzkind erstmals regelmäßig meine Lieblingsmusik und immer wieder auch Neuentdeckungen live sehen konnte. Darunter zum Beispiel The National vor 30 Leuten als Support für die ebenfalls großartigen Savoy Grand. Oder auch Antony and the Johnsons noch als absoluten Geheimtipp. Der Karlstorbahnhof hat da immer Riecher und Geschmack bewiesen und war bei den Touren vieler Bands neben den sogenannten Medienstädten als einziger kleinerer Ort dabei. Somit hat das auch meinen Geschmack und Stil sicher etwas geprägt. Dann gab es natürlich auch noch die legendären Partys. Bei Chop Suey Club und Rollercoaster war ich immer gern dabei, kann mich aber nicht an allzu viel erinnern – was ja unbedingt für die Qualität der Partys spricht.

Dann passt es ja, dass der Chop Suey Club ausgerechnet als Afterparty nach dem Eröffnungskonzert endlich mal wieder stattfindet. Wie präsent ist bei dir noch dein erster Auftritt mit Get Well Soon im Karlstorbahnhof?

Daran erinnere ich mich sehr gut. Ein wirklich emotionaler Abend. An das wunderbare Jubiläumskonzert 2010 erinnere ich mich natürlich auch gern. Auch wenn es gar nicht im KTB selbst, sondern im Heidelberger Schloss,

gemeinsam mit meinen lieben Freunden von Sizarr stattgefunden hat. Ein paar Jahre später stand ich hier auch zum ersten Mal mit Michael Wollny auf der Bühne. Das war ein Experiment, aber mit dieser Duo-Besetzung haben wir mittlerweile einige große Konzerthäuser bespielt und tun das mit losem Abstand immer wieder.

Zum 15-jährigen Jubiläum hast du in einem Gastbeitrag für unsere Programmzeitschrift sehr lebendig deine Studienzeit reflektiert. Später hast du in Berlin gelebt und bist jetzt wieder in Mannheim. Wie hat sich über die Jahre dein Blick auf Heidelberg verändert?

Wie schon gesagt, war ich in meiner Studienzeit quasi Stammgast im Karlstorbahnhof und daraus haben sich auch viele langjährige Freundschaften entwickelt. Es war eben ein Treffpunkt unter Gleichgesinnten. Aus diesen Treffen haben sich auch viele kreative Kollaborationen ergeben. Was meine Sicht auf Heidelberg angeht: Ich denke, da hat sich eher mein Leben stark verändert. Natürlich gehe ich immer noch gerne in den Karlstorbahnhof. Ohne hier jetztfestrednerisch herumzuschleimen ist es für mich der wichtigste Ort in Heidelberg. Ich gebe zu, dass meine sonstigen Assoziationen zu Heidelberg etwas gemischt sind, ich habe hier emotional eine anstrengende Zeit meines Lebens zugebracht. Und der Karlstorbahnhof hat mir da schon geholfen.

Schon 2011 stand fest, dass der alte Karlstorbahnhof in seiner gewohnten Form nicht für immer betrieben werden kann. Jetzt spielst du das Eröffnungskonzert im neuen Haus. Wirst du den alten Saal und seinen ranzigen Backstage vermissen oder überwiegt die Spannung auf den neuen Standort und die Möglichkeiten dort?

Also erstmal fühle ich mich natürlich sehr geehrt. Ich muss auch zugeben, dass ich mich sehr proaktiv um dieses Konzert bemüht habe. Klar hängt am alten Karlstorbahnhof viel Nostalgie. Sogar am ranzigen Backstage. Aber ich freue mich natürlich auch, dass aus diesen schwierigen Zeiten ein regelrechter „Phoenix Karlstorbahnhof“ aufsteigt und werde mein Bestes geben, dass es recht festlich zugeht. Gespannt bin ich natürlich auch sehr. Ich weiß ja noch nicht mal, ob der Name erhalten bleibt. Darf man den Namen mit umziehen? Oder werden auch die Gleise verlegt?

Die Gleise bleiben wo sie sind und der Name bleibt bei uns! Gerade weil wir an die Zeit anknüpfen wollen, in der wir auch etwas größere Konzerte präsentieren konnten. Get Well Soon zum Beispiel war uns zwischenzeitlich etwas über den Kopf gewachsen.

Also „über den Kopf gewachsen“ würde ich so nicht gerne stehen lassen. Dass die Bühne vielleicht zu klein war, lag eher an meinem musikalischen Größenwahn. Ich versuche mit jedem Album, das einen möglichst eigenen Sound hat, auch die Live Shows entsprechend anzupassen. Das letzte Album „The Horror“ war ja sehr orchestral instrumentiert und wir haben damit Konzerthäuser und Theater vor sitzendem Publikum bespielt – auf der Bühne war eine 15-köpfige Band. „Amen” ist wieder ein sehr poppiges Album und ich hoffe, wir bringen da eine gute Rockshow auf die Bühne. Und für das Gastspiel hier in der Region habe ich tatsächlich einfach auf die große Eröffnung spekuliert. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Das neue Album „Amen“ hat mich mal wieder auf eine Zeitreise geschickt, aber das Jahrzehnt kann ich schwer beziffern.

Ich nehme das mal als Kompliment, dass das Jahrzehnt nicht klar ist. Klar ist die Musik auf „Amen“ irgendwie nostalgisch, das ist sie bei Get Well Soon ja immer ein bisschen. Aber ich freue mich immer, wenn es nicht klar zu verorten ist.

Müssen wir befürchten, dass sich hinter dem Titel „Amen“ so etwas wie ein Schlussstrich und ein letzter Rückblick verbirgt?

Der Titel ist kein Schlussstrich, nein. Eher im Gegenteil. Das Album handelt im Kern von Optimismus und Hoffnung. „Amen“ ist nur etwas um die Ecke gedacht. Es versteht sich als eine Art Ausrufezeichen nach dem Bandnamen. Also: Get Well Soon, Amen! Wir hoffen, dass es wieder besser wird. Das hat sich mir in der Pandemie einfach aufgedrängt.

Dann passt das Album ja ganz gut zu einem Neuanfang, nach der Pandemie und bei uns auch im neuen Haus.

Ja. Ehrlich gesagt ist die Welt ja jetzt in keinem besseren Zustand als vor drei Jahren. Also sind wir alle darauf angewiesen, zu hoffen. Sonst wird man schlicht wahnsinnig. Entsprechend ist die Musik auf dem Album inspiriert von all den Songs oder Sounds, die mich persönlich optimistisch stimmen. Da diese „Feel-Good-Playlist“ auch nicht an eine bestimmte Epoche gebunden ist, ist das Album sehr bunt gemischt, was seine Einflüsse angeht.

Zum Stichwort Playlist: Heute gibt das Streaming von Playlists den Ton an, das Album als solches ist merklich angezählt. Es ist ja offensichtlich, dass dieses Format für dich eine große Rolle spielt. Wie sehr fordert dich dieser Wandel künstlerisch heraus?

Tatsächlich mache ich sehr gerne Playlists und es ist ein wichtiger Teil meines kreativen Prozesses. Eigentlich habe ich immer schon gerne Musik zusammengestellt, ob auf Tape, CD oder eben in irgendwelchen Playern. Was diese neuen „kuratierten“ Playlists angeht – das interessiert mich gar nicht. Das ist ja nichts anderes als ein Marketinginstrument und die Plattenfirmen machen sich in die Hosen, wenn ihre Künstler*innen nicht darauf landen. Ich weiß nicht, ob das altbacken ist, am Album festzuhalten. Eigentlich bringen ja früher oder später dann doch alle Künstler*innen ein Album heraus und das ist dann auch das, woran sie sich messen lassen müssen. So ein bisschen, wie der erste Langfilm eines Regisseurs. Klar kann man auch mit einzelnen Songs erfolgreich werden, ich glaube aber, dass jede*r ambitionierte Künstler*in immer noch ein Album machen will. Und das über Alben auch langfristige Karrieren entstehen.

Klingt zumindest für mich als Fan des Album-Formats auch eher hoffnungsvoll.

Ja, aber leider bestimmt das Streaming-Format eben auch den Preis, den die Hörer*innen bereit sind für Musik auszugeben. Und der ist natürlich deutlich niedriger als beim klassischen, physischen Album. Ich will jetzt auch nicht rumjammern, aber das ist schon die neue Realität: es wird mehr Musik konsumiert als jemals zuvor, die Musikindustrie hat Rekordumsätze, aber die Künstler*innen verdienen so wenig wie nie an ihren Aufnahmen.

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